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Divertimenti Vol.4


Divertimenti Vol.4
Joseph Haydn
    • Divertimento in D für Baryton, 2 Hörner, Viola und Basso (Violoncello und Kontrabass) Hob. X:10
  1. Adagio 6'06
  2. Allegro 4'19
  3. Menuetto 3'28
    • Divertimento Es-dur für Horn, Violine und Violoncello Hob. IV:5
  4. Moderato assai 5'07
  5. Allegro di molto 3'03
    • Divertimento in C "Der Geburtstag" für Flöte, Oboe, 2 Violinen, Basso Continuo (Violoncello, Kontrabass und Cembalo) Hob. II:11
  6. Presto 2'13
  7. Andante moderato "Mann und Weib" 4'56
  8. Menuet 3'05
  9. Finale: Thema con variazioni - Moderato 8'45
    • Divertimento (Cassatio) in G für 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Violinen, 2 Bratschen, Violoncello und Kontrabass Hob. II:G1
  10. Allegro molto 1'42
  11. Menuet I 4'04
  12. Adagio 4'18
  13. Menuet II 4'01
  14. Finale: Presto 1'41


  • Manfred Huss, Dirigent
  • Haydn Sinfonietta Wien

  • Koch Schwann
  • 3-1482-2
Haydn's Divertimenti stammen as einer Zeit, aus der wir fast kein historisch gesichertes Wissen über sein Leben besitzen. Bis etwas zu seinem 25. Lebensjahr (1757) musste sich Haydn mit musikalischen Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten, um sein Leben mehr schlecht als recht zu fristen.

Das Divertimento (Quintetto) in D-Dur Hob. X:10 für Baryton, 2 Hörner, Viola und Basso gehört bereits zur zweiten Periode von Haydns Divertimento-Komposition und wurde für den Gebrauch des Fürsten Esterházy geschrieben. Die exorbitant schwierigen Hornpartien und der Umstand, dafl das Werk in einer einzigen Kopie aus dem Besitz des Hornisten Carl Franz erhalten ist, zeigen aber doch, dass Haydn bei der Komposition auch an diesen berühmten Musiker gedacht hatte. Das dreisätzige Werk basiert auf einem verloren gegangenen Bläser-Divertimento (Hob. II:5), das vielleicht sogar fünfsätzig war.

Wer zum ersten Mal eines von Haydns Barytonwerke hört, wird über die eigenartige, ungewöhnlich intensive Ausdruckskraft dieser Musik, aber auch über ihre geradezu launenhaften Stimmungswechsel überrascht sein. Am herausragendsten sind die langsamen Sätze, deren Traurigkeit und fast depressive Melancholie sehr romantisch ist, und die in manchen Momenten sogar Schubert vorausahnen lassen. Die alte "sonata di chiesa" Form mit dem Adagio als Stirnsatz finden wir hier - zu Beginn von Haydns "Sturm-und-Drang-Zeit" - zum letzten Mal.

Alle schwierigen Horn-Partien in Haydns Werken zwischen 1763 und 1776 waren für den Hornisten Franz geschrieben. Fürst Nikolaus I. hatte ein besonderes faible für das Horn, er liebte es, seine "Leibhornisten" ständig um sich zu haben, die in der speziell für sie geschriebenen Musik Auflerordentlich leisten mussten. Auch das Divertimento in Es-Dur Hob. IV:5, ein Trio für Horn, Violine und Violoncello, wurde für Carl Franz komponiert, es ist ein echtes Virtuosenstück für Horn. Franz zählte zu den berühmtesten Horn-Virtuosen seiner Zeit und wurde 1763 in die Esterh·zy-Kapelle engagiert, wo er bis 1776 blieb. Zeitgenossen bewunderten seine Technik, auf dem Naturhorn chromatische Skalen und hohe Töne mit klarster Intonation hervorzubringen, eine hohe Kunst, wenn man bedenkt, dass die damaligen Instrumente jeweils nur in einer Tonart verwendbar waren.

Auch für das schon zur Entstehungszeit populäre Divertimento in C-Dur Hob. II:11, "Der Geburtstag", ist es schwierig, eine verlässliche Datierung zu geben, da das Autograph verschollen ist, allerdings sind zahlreiche Abschriften seit ca. 1765 nachweisbar. Das Geburtstags-Divertimento, ebenso wie sein "Zwilling" (Divertimento Hob. II:1) ist viersätzig, wobei der Schluflsatz formal den Sinfonien Nr. 13 und 72 aus dem Jahr 1763 recht ähnlich ist. Mit dem Titel "Mann und Weib" ist der zweite Satz versehen, und falls die beiden Violinen, hier in trauter Einigkeit in Oktaven geführt, das (Geburtstag feiernde?) Ehepaar symbolisieren, so war es vielleicht dieser musikalische Scherz Haydns und die dazugehörige eingängige Melodie, die noch dazu beitrugen, das Werk sehr schnell populär zu machen.

Das Divertimento in G-Dur Hob. II:G1 strahlt ebenso wie sein Parallelwerk, das Divertimento in G-Dur Hob.II:9, die Lebensfreude und Vitalität eines übermütigen, noch sehr jungen, und absolut genialen Komponisten aus. Der Komponist hat damit unüberhörbar bereits ein typisches Merkmal seines Stils gefunden und sich von allen Vorbildern weitgehend emanzipiert. Langsame Sätze, wie im vorliegenden Divertimento, mit Pizzicato-Begleitung und dar¸ber schwebenden gesanglichen Violinkantilenen machten Haydns Werke von Anfang an so beliebt, dafl seine Kompositionsideen sehr bald von anderen Komponisten nachgeahmt wurden.

Manfred Huss
aus dem CD-Booklet zitiert